Wespen bauen Nester, um ihre Brut vor Wind und Wetter und vor Feinden zu schützen. Wespennester sind durch Lufttaschen thermisch gut isoliert. Bei extrem kaltem oder heißem Wetter heizen Wespen durch Flügelschlag das Nest auf, oder bringen Wassertropfen in das Nest, um mittels Verdunstungskühlung eine konstante Temperatur von ca. 30 Grad Celsius zu halten.
Wespennestbau bedeutet Staatenneugründung
Der Bau eines Wespennestes beginnt ganz harmlos: Eine einzige Wespe fängt mit dem Bau des Wespennestes an. Es ist eine der Königinnen, die im Vorjahr in einem anderen Staat aufgewachsen ist, den Winter mithilfe einer Art Kältestarre und Frostschutzmittel im Körper nun den eigenen Staat gründet.
Sie baut ein kleines Nest und legt die ersten Eier hinein. Diese wachsen zu Larven und schließlich zu Arbeiterinnen heran und nehmen der Königin schließlich die Arbeit ab, indem sie die Larven versorgen und das Nest stetig vergrößern, so dass sich die Königin nunmehr ganz auf die Eiablage konzentrieren kann.
Alle ca. 100 in Europa vorkommenden Wespenarten der Familie "Faltenwespen" verwenden für den Nestbau eine papierartige Masse, die aus Holz, gemischt mit Speichel, besteht. Daher wird diese Familie auch "Papierwespen" genannt.
Unterscheidung der Arten durch Beschaffenheit und Standort des Nestes
Gleichwohl gibt es Unterschiede in der Wahl des Baumaterials, und auch in der Standortwahl und Bauweise des Wespennestes, wonach sich teilweise die Wespenart bestimmen lässt.
So verwendet die Deutsche Wespe und andere Arten oberflächlich verwittertes Holz, weshalb das Wespennest eine gräuliche Farbe annimmt. Die Gemeine Wespe und die Hornisse verwendet vollends verrottetes Holz, sodass ihr Nest beige erscheint. Hornissennester sind beispielsweise jedoch nach unten offen, während Wespennester ein Einflugloch (häufig seitliches) aufweisen.
Unterscheidungsmerkmale bietet auch die Standortwahl, so ist beispielsweise die Deutsche Wespe ein Dunkelhöhlennister. Ihre Nester findet man z.B. unter Deckenverkleidungen oder in Rollädenkasten, also stets an wettergeschützten Standorten.
Andere Gattungen wiederum bauen ihr Nest frei hängend an einem Stiel z.B. an Bäumen oder Hecken. Diese Wespenstaaten sind selten die lästigen Artgenossen und stehen unter besonderem Naturschutz.
Auch die Größe eines Wespenstaates gibt Indizien für die Artbestimmung: Die lästigen Arten, Deutsche Wespe und Gemeine Wespe, bilden Staaten von vielen tausend Tieren, während andere Arten nur wenige hundert Exemplare aufweisen.
Auch die Architektur des Wespennestes kann der Bestimmung dienen (halbkreisförmig oder röhrenförmig).
Das Ende des Wespenstaates und des Wespennestes
Ein Wespennest wird aus hygienischen Gründen (Pilz- und Bakterienbefall) immer nur für ein Jahr bezogen. Die alte Königin stirbt im Herbst. Der gesamte Staat löst sich damit auf; auch die Arbeiterinnen sterben, nachdem sie vereinzelt im Herbst noch auf Nahrungssuche zu sehen sind und sich dann auf besonders nervige Art über süße Leckereien hermachen. Die herangewachsenden Jungköniginnen suchen sich zur Gründung eines eigenen Staates im nächsten Frühling einen neuen Standort.
Wie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse hervorgebracht haben orientieren sie sich bei der Standortwah am Magnetfeld der Erde.



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